Wer dem Berner Rapper Samir Djedidi alias S.M.D. zuhört, merkt schnell, dass er etwas zu erzählen hat.

Es ist 6.30 Uhr früh an einem kalten Märzmorgen im Jahr 2010. Mehrere Kriminalpolizisten betreten einen Wohnblock in Bern Bümpliz, um den damals 19-jährigen Samir Djedidi in der Wohnung seiner Mutter zu verhaften. Kurze Zeit später sitzt Djedidi in Untersuchungshaft und sieht seinem Schicksal entgegen. Die Lage ist ernst. Wie er auf seinem aktuellen Song "509" erzählt, blühen ihm drei bis vier Jahre Gefängnis wegen Raub, Hehlerei und weiteren schwerwiegenden Anklagen.

Wie konnte es soweit kommen? Als Djedidi drei Jahre alt ist, trennen sich seine Eltern. Die alleinerziehende Mutter sieht sich gezwungen, mit ihren beiden Kindern für mehrere Jahre in ein Frauenhaus zu ziehen. Später, während der Schulzeit, wohnt die Familie in einer Sozialbausiedlung im Berner Kleefeld und hat mit den Schwierigkeiten des Alltags zu kämpfen. Zugleich erkrankt sein Vater schwer und häuft aufgrund dessen hohe Schulden an. In der Absicht, seinen Vater finanziell zu unterstützen, begeht der Teenager daraufhin folgenschwere Fehler, für die er in Untersuchungshaft landet. Nach mehreren, prägenden Monaten hinter Gittern wird er auf Bewährung entlassen und beginnt ein neues Leben.

Heute ist Samir Djedidi 28 Jahre alt, bekannt unter dem Künstlernamen S.M.D. und der aktuelle Gewinner des prestigeträchtigen MyCokeMusic Soundcheck – dem grössten und wichtigsten Newcomer-Wettbewerb der Schweiz. S.M.D. setzte sich gegen hunderte Konkurrenten aus dem ganzen Land durch und gewann den mit CHF 50'000 dotierten ersten Preis. Der Sieg ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass Djedidi nur ein Jahr zuvor seinen ersten Song schrieb und das Wettbewerbs-Finale sein erster Live-Auftritt überhaupt war.

Der Sieg am MyCokeMusic Soundcheck ist nicht zuletzt der Vielseitigkeit des Künstlers zu verdanken. Während er in einigen ruhigen Songs seine schwierige Vergangenheit ungefiltert und ehrlich verarbeitet, frönt er in anderen Tracks dem Hedonismus und packt harte Punchlines auf brachiale Representer-Beats. Einmal posiert er in Strassenrapper Manier faustballend und in Sportwagen sitzend vor Betonkulissen, ein andermal spielt er melancholische Melodien am Piano und singt mit einzigartiger Soulstimme. S.M.D. lässt sich schlicht nicht schubladisieren. Dies zeigt auch der Blick auf seine musikalische Ausbildung, die nicht so recht ins Bild einer schwierigen Kindheit passen will: Im Alter von sieben Jahren beginnt Djedidi mit dem Klavierunterricht, mit 18 finanziert er sich Gesangsstunden. Mit 27 dann steckt er sein gesamtes Erspartes in professionelle Studio-Aufnahmen bei den international tätigen Musikproduzenten The Soundbrothers. Es entsteht die EP „Haute-Cuisine“, die im Frühling 2018 veröffentlicht wird.

Heute, rund ein Jahr später, steht die zweite EP „TROUM“ in den Startlöchern. Die fünf Songs starke EP wurde vom erfolgreichen Schweizer Musiker Ben Mühlethaler von B-Note Entertainment produziert, der bereits mit namhaften Künstlern wie Prince, Seven, Müslüm, Steff la Cheffe oder Baze zusammengearbeitet hat. S.M.D. kombiniert in seinem neuen Release die substanzhaltige Lyrik eines Jugendlichen, der schon früh erwachsen werden musste, mit dem Ohrwurm-Charakter von Pop-Songs und hat dabei keine Berührungsängste mit dem Mainstream. Diejenigen, die wissen, woher Samir Djedidi kommt, können ihm seine Au-thentizität nicht absprechen. Er ist sich selbst geblieben – charismatisch, hart, kompromisslos ehrlich und hungrig auf Erfolg.